Georges-Anawati-Stipendium für Forschungen zum Dialog zwischen Islam und Christentum

Ein lebendiger Dialog zwischen Islam und Christentum ist nicht erst eine Forderung unserer Tage, auch wenn die Auseinandersetzung mit der Glaubens- und Lebenswelt des Anderen durch die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit an Bedeutung gewonnen hat. Während es im Westen zahlreiche Institutionen und Initiativen gibt, die einem besseren Verständnis von Islam und Christentum dienen, gibt es im Nahen und Mittleren Osten bislang nur wenige Angebote in diesem Bereich.

Daher wurde im Jahr 2005 das Georges-Anawati-Stipendium ausgeschrieben, das vom Katholischen Akademische Ausländer-Dienst und der Georges-Anawati-Stiftung gemeinsam getragen wird. Es möchte die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem historischen und gegenwärtigen Verhältnis von Islam und Christentum anregen. Das Stipendium wird einmal im Jahr vergeben, in der Regel abwechselnd als Forschungsstipendium für Postdoktoranden und als Promotionsstipendium. In den vergangenen Jahren konnten durch das Georges-Anawati-Stipendium fünf Forschungsprojekte von Wissenschaftler/innen aus Ägypten und dem Iran gefördert werden.

Das Stipendium ist nach dem Dominikanerpater Georges Chehata Anawati (1905-1994) benannt. Geboren in Alexandria/Ägypten, leistete einen großen Beitrag zum besseren Verständnis des Islam im Westen. Er war Mitbegründer des Dominikanerinstituts für Orientalische Studien in Kairo (IDEO) und veröffentlichte mehr als 250 wissenschaftliche Beiträge. Der Einfluss seines Denkens reichte weit über den akademischen Bereich hinaus: Die Erklärung Nostra Aetate, mit der das Zweite Vatikanische Konzil im Jahr 1965 in bahnbrechender Weise das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen neu bestimmte, trug seine Handschrift. Anawati setzte sich zeitlebens für einen lebendigen und vorurteilsfreien Dialog Dialog zwischen Christentum und Islam ein. Dabei erwarb er sich nicht nur höchste wissenschaftliche Reputation für seine Arbeiten zur islamischen Philosophie, sondern auch die Anerkennung und Zuneigung unzähliger Muslime in allen Teilen der Welt.

Bewerbung

Der KAAD und die Georges-Anawati-Stiftung laden Wissenschaftler/innen aus dem Nahen Osten ein, Anträge für Promotionsvorhaben und Postdoktorandenprojekte, die im Rahmen einer Kooperation mit einer deutschen Forschungseinrichtung durchgeführt werden sollen, einzureichen.
Promovierte Wissenschaftler/innen können Anträge auf Förderung eines Forschungsvorhabens stellen, das sie über einen Zeitraum von zwei bis sechs Monaten an einer oder mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland durchführen wollen. Die Teilnahme an Seminaren, Workshops, Konferenzen und öffentlichen Diskussionsrunden sollen dem Stipendiaten bzw. der Stipendiatin die Möglichkeit geben, seine/ihre Forschungen einem breiteren akademischen und allgemeinen Publikum in Deutschland vorzustellen und an deutschen Bemühungen und Erfahrungen im Bereich des Dialogs mit dem Islam teilzuhaben.
Promotionsstudierende sollen ihre Forschung im Rahmen eines sog. „Sandwichverfahrens“ durchführen. Das heißt, dass die Arbeiten an einer Universität im Nahen Osten begonnen, dann während eines längeren Forschungsaufenthaltes in Deutschland fortgeführt und schließlich wieder vor Ort abgeschlossen und veröffentlicht werden. Auf diese Weise wird die Forschungsarbeit selbst zum Ergebnis eines Dialogs. Die maximale Förderdauer für ein solches Vorhaben beträgt drei Jahre.
Für weitere Informationen und Antragstellungen schreiben Sie bitte an Frau Dr. Christina Pfestroff: pfestroff(at)kaad.de